1. Wahrnehmungs- und Deutungsgeschichte des nackten männlichen Körpers von der Antike bis zur Renaissance.

1.3. Renaissance

Durch die Werke der italienischen Meister Michelangelo, Donattelo und Raffaello da Montelupo wurde in der Renaissance der nackte Körper wieder entdeckt. Laut Wolfgang Schmale war die Renaissance „die Hoch-Zeit der Definition männlicher Identität in der Phase der Konzipierung des „neuen Adam“.

Grundlegend für die weitere Behandlung des nackten Körpers in der Öffentlichkeit und Kunst war folgendes:

a) Der männliche Körper wurde zum Ausdrucksmedium der männlichen Identität. So versucht Michelangelo, durch seine Davidskulptur, ideale Männlichkeit zu darzustellen.

b) Der nackte Körper wird zum Erforschungsobjekt. Albrecht Dürers Selbstporträt als Akt (1500-1512) zeigt das Interesse für den eigenen Körper und die Bestrebung seiner realitätstreuen Abbildung. Zudem werden sowohl die mythischen Helden als auch die Heiligen mit realen menschlichen Körpern dargestellt. So waren Michelangelos (Christo della Minerva, 1519-1521) und Cellinis (Kruzifix el Escorial, 1556-1562) Christusskulpturen ursprünglich vollständig unbekleidet

c) Die nackte Männlichkeit manifestiert sich im öffentlichen Raum. Auf den Stadtplätzen und bei Königshöfen werden Skulpturen der nackten mythischen Helden aufgestellt (Piazza della Signoria in italienischem Florenz);


Weiterführende Literatur:

1.—Dittmann, Lorenz: Die Wiederkehr antiker Götter im Bilde. Padeborn 2001.

2. Leopold, Elisabeth: Die Poesie des Körpers. Der nackte Mann in der Kunstgeschichte. In: Nackte Männer. Hg. v. Tobias Natter. München 2012, S. 17-27.

3. Larsson, Lars Olof: Antike Mythen in der Kunst. Stuttgart 2009.

4. Schmale, Wolfgang: Nacktheit und männliche Identität. Verhandlungen im öffentlichen Raum. In: Nackte Männer. Hg. v. Tobias Natter. München 2012, S. 27-37.