3. Bacchus nackter Körper als Blickobjekt.

3.2. Gottfried von Straßburg "Tristan und Isolde"

tristanTristan aber tritt vor Isolde als Spielmann Tantris und nicht als adeliger Ritter auf. Diese gesellschaftliche Rolle entspricht seinem vollkommenen Leib nicht. Deshalb wird Tristans hegemoniale Männlichkeit marginalisiert. Erst wenn Isolde in Tantris Tristan erkennt wird das Äußere dem Inneren seiner Männlichkeit angepasst.

V. 10027-10032

ein lîp also gebaere,

der sô getugendet waere,

der solte guot und êre han.

an ime ist sêre missetân.

got hêrre, dû hâst ime gegeben

dem lîbe ein ungelîchez leben.

 

Ein so stattlicher Mann

mit so vielen Vorzügen

sollte Besitz und Ansehen haben.

Ihm geschieht schweres Unrecht.

Gott und Herr, du hast ihm beschieden

zu einem Äußeren einen unpassenden Stand.


 Weiterführende Literatur:

1. Gottfried von Straßburg. Tristan und Isolde. Hg. v. Rüdiger Krohn. Stuttgart 1980.

2. Uttenreuther, Melanie: Die (Un)ordnung der Geschlechter. Zur Interdepenz von Passion, gender und genre in Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolde. Bamberg 2009.