3. Verbindung des Objekts zur Literatur im Mittelalter

2. Zwerge

2.1. TRISTAN- Der "verfluchte" Melot (Gottfried von Strassburg)

Der Zwerg Melot in Tristan ist ein Vertrauter des Königs Marke von Cornwall.

In seinem Auftrag geht er der Vermutung nach, dass Isolde, die Frau des Königs, nicht ihn,

sondern seinen Neffen Tristan liebt und diesen heimlich trifft.

Verse 14261-14267:

Dâ kêrte ouch ez spâte unde vruo

sîne lüge und sîne lâge zuo.

Ez leite sîne vâre

an rede und an gebâre

ze ieglîchen stunden

und haete ouch schiere ervunden

die liebe an den gelieben zwein.

 

Von früh bis spät richtete er

seine Verschlagenheit und Spitzelei darauf.

Er stellte seine Fallen

mit Reden und Verhalten

unausgesetzt

und hatte auch bald herausgefunden

die Liebe der beiden Verliebten.

 

Tristan hat erkannt, dass sein ehemaliger Freund Melot sich nun gegen ihn gekehrt hat.

Er ist sich dieser Gefahr, die von Melot und auch vom Truchseß Marjodo ausgeht trotz ihrer

vorgetäuschten Freundlichkeit gewahr.

Er warnt Isolde und rät ihr auf der Hut zu sein.

 

Verse: 15073 ff.

Als tete Melôt und Marjodô.

Si wâren aber Tristande dô

dicke und ze manegen zîten

valschlîchen an der sîten.

Si truogen in gelîche

mit valsche und mit âswîche

ir dienest und ir heinlîch an.

[...]

uns gânt zwêne eiterslangen

in tûben bilde in süezem site

smeichende aller stunde mite.

[...]

saeligiu vrouwe, schoene Isôt,

nu hüetet iuch genôte

vor dem slangen Melôte

und vor dem hunde Marjodô!

 

So taten es Melot und Marjodo.

Sie waren Tristan wieder

oft und häufig

voller Falschheit zur Seite.

Sie dienten ihm beide

mit Betrug und Tücke

ihre Hilfe und ihre Freundschaft an.

 

Zwei Giftschlangen

in Taubengestalt sind mit süßlichem Gehabe

und schmeichelnd immerzu um uns herum.

 

Liebliche Herrin, schöne Isolde,

hütet Euch sorgfältig

vor der Schlange Melot

und dem Hund Marjodo!

 

 

Dennoch werden Tristan und Isolde schlussendlich

ertappt und Tristan flieht aus dem Königreich.

In Tristan erfüllt der Zwerg die Rolle des listigen

Handlangers und Minnefeindes, daz vertâne getwerc-

der verfluchte Zwerg.  (Vers 14511).

 

L'éternel retour ist eine auf der Geschichte von Tristan

und Isolde basierende Verfilmung aus dem Jahre 1943

vom Regisseur Jean Delannoy.

Im Film beneidet der kleinwüchsige Achille seinen Vetter

Partrice um sein Aussehen und seine Beliebtheit. Er spinnt

Intrigen, um die Liebe zwischen Patrice und Nathalie, die

den Onkel Marc heiraten soll, zu verhindern.

In Übereinstimmung mit dem Tristan-Motiv spielt der Zwerg

auch im Film die Rolle des listigen Minnefeindes.

 

 

(Bilder aus dem Film: L'êternel retour)


 

Quelle:

Gottfried von Strassburg: Tristan. Hg. v. Rüdiger Krohn. Stuttgart 1980 (= UTB 4472).

Film:

L'êtermel retour. Warner Home Video. Regisseur: Jean Delannoy. Darsteller: Jean Marais.

Weiterführende Literatur:

Krappe, Alexander Haggerty: Der Zwerg in Tristan. In: Romanische Forschungen, 45. Bd. (1931), pp. 95-99.